Fiadone, korsischer Käsekuchen mit Zitrone

Fiadone ist einer dieser Kuchen, die auf den ersten Blick fast ein bisschen zu schlicht wirken und dann beim ersten Bissen sofort hängen bleiben. Ich mag an diesem korsischen Käsekuchen besonders, dass er ohne Boden auskommt und trotzdem so viel Charakter hat. Die Masse ist leicht, zitronig und eher fein als üppig. Wenn ich Lust auf etwas habe, das nach Urlaub, Sonne und einer sehr guten, unkomplizierten Nachspeise schmeckt, lande ich schnell bei genau diesem Rezept. Fiadone passt gut in die Ecke der internationalen Cheesecake-Ideen, wirkt aber in der Küche angenehm unprätentiös.
Was den Fiadone so besonders macht
Anders als viele klassische Cheesecakes bringt Fiadone keine schwere Frischkäsefüllung und keinen Keksboden mit. Stattdessen lebt er von einer vergleichsweise schlichten Käsemasse, viel Ei und frischer Zitronenschale. Das ergibt eine Konsistenz, die irgendwo zwischen luftig, saftig und leicht puddingartig liegt. Nicht wabbelig, nicht kompakt. Eher weich und gleichzeitig sauber schneidbar, wenn er gut durchgekühlt ist.
Traditionell wird er mit Brocciu gemacht, einem korsischen Frischkäse. Der ist hier nicht immer leicht zu bekommen, deshalb ist die Alternative mit Ricotta absolut sinnvoll. Hüttenkäse geht notfalls auch, dann würde ich ihn aber kurz glatt rühren oder leicht pürieren, damit die Textur feiner wird. Ich habe das bei ähnlichen Rezepten schon gemacht, gerade in einer kleinen Küche freut man sich ja über Zutaten, die man ohne lange Suche bekommt.
Der Geschmack im Detail
Fiadone schmeckt nicht laut. Und genau das ist sein Reiz. Die Zitrone ist deutlich da, aber nicht spitz. Der Käse bringt etwas Mildes, fast Milchiges mit, die Eier sorgen für Struktur, und ein kleiner Schuss Cointreau oder Branntwein gibt dem Ganzen Tiefe. Das fällt nicht unbedingt sofort als Alkoholnote auf, eher als eine runde, warme Nuance im Hintergrund.
Am besten gefällt mir an diesem Kuchen, dass er nicht so süß wirkt, wie man bei der Zuckermenge vielleicht erst denkt. Durch die Zitrone bleibt alles frisch. Gut gekühlt mag ich ihn am liebsten, dann wirkt die Oberfläche leicht elastisch, die Mitte angenehm cremig und die Stücke lassen sich schön sauber schneiden. Für ein Dessert nach einem größeren Essen ist das wirklich dankbar, weil er nicht so satt macht wie manche sehr dichten Käsekuchen.
Warum das Rezept gut funktioniert
Technisch ist Fiadone ziemlich entspannt, aber ein paar Kleinigkeiten machen ihn deutlich besser. Wichtig ist vor allem, den Käse möglichst glatt zu bekommen. Mit Brocciu oder Ricotta klappt das meist mit Gabel oder Schneebesen schon gut. Wenn die Masse sehr körnig ist, lohnt sich ein kurzer Einsatz vom Stabmixer. Nicht zu lange, nur bis sie homogener wirkt.
Außerdem sollte die Form hoch genug sein. Im Rezept steht das ganz zurecht, denn der Kuchen geht beim Backen erst ordentlich auf und fällt beim Abkühlen wieder zusammen. Das ist hier kein Fehler, sondern gehört dazu. Ich würde deshalb immer Backpapier auf den Boden legen und den Rand zusätzlich gut ölen, damit sich der Fiadone später sauber lösen lässt. Wer öfter Cheesecake backt, kennt das: Gerade bei eher zarten Kuchen spart man sich damit einiges an Gefluche.
Bei der Backzeit lohnt es sich, eher auf die Oberfläche zu schauen als stur auf die Uhr. Nach rund 35 Minuten sollte der Kuchen oben leicht goldbraun sein und in der Mitte noch minimal nachgeben. Er zieht beim Abkühlen noch an. Wenn man ihn zu lange im Ofen lässt, wird er trockener, und das wäre schade.
Wann ich Fiadone besonders gern mache
Für spontane Gäste ist er nur bedingt geeignet, weil er nach dem Backen wirklich Zeit zum Abkühlen braucht. Aber für den nächsten Tag ist er super. Ich mache solche Kuchen gern am Abend, wenn die Küche sowieso schon aufgeräumt ist und ich nebenbei noch die Katzen davon abhalten muss, sich für den Duft von warmer Zitronenschale zu interessieren. Am nächsten Tag schmeckt er fast noch besser.
Ich serviere Fiadone meist ganz schlicht. Vielleicht mit etwas fein abgeriebener Zitronenschale obenauf oder mit ein paar Beeren daneben, wenn ich es etwas frischer haben möchte. Mehr braucht er eigentlich nicht. Er funktioniert als Dessert, zum Kaffee oder auch mal als ruhiger Sonntagskuchen, wenn es nicht immer Schokolade sein soll.
Fiadone, korsischer Käsekuchen
Zutaten:
Kochutensilien
Und so wird’s gemacht:
- Den Backofen auf 180 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen. Den Boden einer Springform mit Backpapier auslegen und den Rand leicht mit Öl einfetten. Die Form sollte einen etwas höheren Rand haben, weil der Fiadone beim Backen erst deutlich aufgeht und später wieder zusammenfällt.
- Brocciu oder Ricotta in eine große Schüssel geben und mit einer Gabel gut zerdrücken. Je glatter die Masse hier wird, desto feiner wird später auch der Kuchen. Wenn der Käse sehr körnig ist, kann man ihn kurz mit dem Stabmixer oder Handmixer bearbeiten, aber nur so lange, bis er homogener aussieht.
- Die Eier aufschlagen und zusammen mit dem Zucker zum Käse geben. Alles verrühren, bis keine groben Stückchen mehr zu sehen sind. Dann die Zitronenschale fein abreiben und unterrühren. Zum Schluss den Cointreau oder Branntwein dazugeben. Die Masse ist recht dünn, das ist bei Fiadone genau richtig und kein Grund zur Sorge.
- Die fertige Masse in die vorbereitete Form gießen. Die Form ein- bis zweimal vorsichtig auf die Arbeitsfläche klopfen, damit größere Luftblasen entweichen. So wird die Oberfläche meist etwas gleichmäßiger.
- Den Fiadone auf mittlerer Schiene etwa 35 Minuten backen. Die Oberfläche darf dabei leicht Farbe bekommen. In der Mitte sollte der Kuchen am Ende noch leicht wackeln, denn er festigt sich beim Abkühlen deutlich. Wenn er zu dunkel wird, kann man ihn gegen Ende locker mit etwas Backpapier abdecken.
- Den Kuchen aus dem Ofen nehmen und erst einmal in der Form auskühlen lassen. Dabei fällt er wieder etwas zusammen, das gehört bei diesem Rezept dazu. Danach für mindestens 3 Stunden, besser noch etwas länger, kalt stellen. Gut gekühlt lässt er sich schöner schneiden und schmeckt runder.
- Den Fiadone vorsichtig aus der Form lösen und in Stücke schneiden. Für saubere Schnitte das Messer zwischendurch kurz abwischen. Nach Wunsch pur servieren oder mit etwas zusätzlicher Zitronenschale und frischen Beeren ergänzen.
Notizen
- Fiadone lässt sich sehr gut am Vortag backen und über Nacht kühlen.
- Mit Ricotta wird der Kuchen etwas milder, mit Brocciu schmeckt er traditioneller und meist noch einen Tick aromatischer.
- Wenn du Hüttenkäse verwendest, solltest du ihn vorher kurz pürieren, damit die Masse feiner wird.
- Der Kuchen hat keinen Boden und ist dadurch etwas zarter als ein klassischer Cheesecake. Vollständig gekühlt schneidet er sich deutlich besser.
- Ein kleiner Schuss Cointreau bringt eine feine Orangennote mit. Für eine neutralere Variante passt auch milder Branntwein.